Häufig werde ich gefragt, wie genau ich denn ein Sportportrait mit Lichtspuren erstelle. Da das viele zu interessieren scheint, schreibe ich hier einmal in einer kleinen Schritt für Schritt Anleitung, wie ich dabei vorgehe. Falls Ihr dann immer noch Fragen habt, könnt Ihr mich natürlich nach wie vor sehr gerne per Facebook oder Mail erreichen und ich werde Eure Fragen nach meinen besten Möglichkeiten beantworten. Hier also die Anleitung:

1. Hintergrund

Wir beginnen beim Hintergrund: die besten Lichtspuren gibt es auf einem schwarzen Hintergrund. Optimal ist es, wenn nicht nur der Hintergrund, sondern auch gleich noch der Boden schwarz ist. Ich persönlich mache das meist mit einem mobilen Hintergrundaufhängesystem und einem schwarzen Papierhintergrund. Solche Systeme gibt es hier in Zürich zum Beispiel bei Light + Byte, natürlich gibt es aber auch viele andere Händler, die so etwas anbieten. Achtet beim Hintergrund darauf, dass er möglichst weit weg ist vom Athleten, den Ihr fotografiert. So habt Ihr weniger Licht auf dem Hintergrund, was dafür sorgt dass er auch schön schwarz bleibt und vom vielen Licht nicht plötzlich grau wird.

2. Dauerlicht

Für die Lichtspuren benötigen wir ein Dauerlicht, das seinem Namen auch gerecht wird und während der ganzen Aufnahme leuchtet. Gut dafür geeignet ist zum Beispiel ein starkes LED-Licht. Das hat gegenüber einer normalen Glühbirne auch gleich noch den Vorteil, dass es in der Regel eine ähnliche Farbtemperatur wie Euer Blitz hat und Ihr Euch nicht auch noch darum kümmern müsst. Richtet Euer Dauerlicht so aus, dass es auf den Athleten aber möglichst nicht auf den Hintergrund leuchtet. Wie gesagt, der Hintergrund sollte möglichst unbeleuchtet bleiben. Wenn Ihr jetzt ein Foto mit einer Verschlusszeit von z.B. 1 Sekunde macht und der Athlet sich auch noch bewegt habt Ihr wunderschöne Lichtspuren. Allerdings nur Lichtspuren und der Athlet ist nicht scharf auf dem Bild zu sehen. Darum weiter zum nächsten Schritt.

3. Blitz

Damit wir auch noch ein scharfes Bild vom Athleten am Ende der Lichtspur bekommen, brauchen wir zum Dauerlicht dazu noch einen Blitz. Der Blitz friert die Bewegung des Athleten dann trotz der langen Belichtungszeit ein und erfolgt im Idealfall ganz am Ende der Beleuchtung. Dazu jedoch mehr im nächsten Schritt. Zuvor möchte ich noch erwähnen, dass Ihr auch den Blitz wieder so positionieren solltet, dass dieser zwar auf den Athleten, nicht aber auf den Hintergrund fällt. Wie bereits erwähnt wollen wir den Hintergrund ja möglichst unbeleuchtet und damit schwarz halten.

4. Einstellungen

Nun denn, auf zum finalen Schritt, dem Foto. Als erstes ist es wichtig, dass die Kamera auf einem Stativ steht, sonst wird alles etwas wacklig. Dann zu den Einstellungen: am besten funktioniert das alles mit manuellen Einstellungen, die Automatiken machen in diesem Fall selten das, was Ihr Euch so vorstellt. Je nach Dauer des Bewegungsablaufes, den Ihr fotografieren wollt, stellt Ihr nun die Verschlusszeit ein. Im Beispielbild, das diesen Artikel schmückt, war es eine Sekunde. Die Blende und die ISO passt Ihr dann in erster Linie mal Eurem Dauerlicht an, in meinem Beispiel waren das f/18 und ISO 50. Nun müsst Ihr noch darauf achten, dass Euer Blitz erst am Schluss der Belichtungszeit auslöst und nicht gleich zu Beginn. Das macht Ihr mit der Einstellung „second curtain flash“. Das bedeutet, der Blitz kommt „auf den zweiten Vorhang“, also dann wenn der Verschluss wieder schliesst. Nun sollte eine gelungenen Portrait mit Lichtspuren nichts mehr im Wege stehen.

5. Bonustipp

Damit Ihr ein wenig flexibler seid mit der Dauer der Belichtung (schliesslich hat der Athlet nicht immer genau gleich lang für seine Performance) könnt Ihr vom Modus „Manuell oder M“ nun in den Modus „Bulb oder B“ wechseln. Nun bleibt der Verschluss offen, solange Ihr den Auslöser drückt. So könnt Ihr die Belichtungszeit sehr einfach und genau steuern.